Neudorf 34

Das Haus Neudorf 34 trug vor der Hausnummeranpassung des Jahres 1805 die Nummer 30! Es wurde schon vor 1600 erbaut und hatte die folgenden Besitzer:

Bis 1614: Wolf Schmiedl

Wolf Schmiedl ist der erste Hausbesitzer. Er erbaut das Gemeinhäusl noch vor 1600 für seine Familie. Als er 1614 verstirbt, bleiben seine Ehefrau und ein “Söhnl” namens Adam zurück. Die Ehefrau kann das Haus alleine nicht erhalten. Daher wird es zum Preis von 95 Gulden an Wolfs Schwiegersohn Simon Roth verkauft. Empfängerin der jährlichen, von Simon Roth zu leistenden Ratenzahlungen ist bis zu ihrem Tod die Witwe des Wolf Schmiedl. Danach geht der Anspruch auf ihren minderjährigen Sohn Adam Schmiedl über.

Im Rahmen des Verkaufs werden ein Hans Schmiedl und ein Thomas Heinz genannt. Vermutlich handelt es sich um Verwandte, deren Rolle jedoch derzeit noch nicht eindeutig geklärt werden kann. Auch ein Adam Schöberl taucht in Zusammenhang mit der Schenkung eines Ackers an das „Söhnl“ im Grundbuch auf.

1614 bis 1656: Simon Roth

Zu Georgi 1614, also am 23 April 1614, wird Simon Roth als Hausbesitzer eingetragen. Er übernimmt damit die Verpflichtung zu einer Anzahlung in Höhe von 30 Gulden und zu jährlichen Ratenzahlungen von 8 Gulden bis zur vollständigen Begleichung des Kaufpreises. Die Anzahlung wird jedoch nicht der Witwe Wolfs als Erbin ausgehändigt. Stattdessen gleicht Simon hiervon zuerst die Schulden des Wolf Schmiedl bei unterschiedlichen Gläubigern aus. Auch die Raten der Jahre 1615 und 1616 dienen noch der Abzahlung der Schulden. Und so erhält Wolfs Witwe am Ende nichts, denn sie überlebt ihren Mann nur um ein Jahr und verstirbt im Jahr 1615.

Zurück bleibt der verwaiste minderjährige Sohn, dessen Name an späterer Stelle als Adam Schmiedl angegeben wird und auf dessen Konto nun eigentlich die folgenden Ratenzahlungen in Höhe von 8 Gulden laufen müssten. Simon Roth aber behält zwischen 1617 und 1619 diese Raten für sich selbst ein. Er begründet dies u.a. mit dem Unterhalt des Neffen, dem Kauf von dessen Kleidung und dessen Pflege während seiner Krankheit im Jahr 1619 bis 1620.

Der Junge verstirbt als Jugendlicher im Jahr 1620 oder zu Beginn des Jahres 1621, woraufhin Streitigkeiten um die Frage entstehen, wem nach Adams Tod die Zahlungen aus dem Hausverkauf zustehen. So besagt ein Grundbucheintrag vom 23 April 1621. Scheinbar einigt man sich schnell darauf, dass die beiden erwachsenen Söhne des Wolfgang – Simon Schmiedl und Matthias Schmiedl – künftig die Raten erhalten sollen.

Simon Roths Ehefrau, eine Schwester der Genannten, deren Vorname nicht genannt wird, hat im Jahr 1620 für die Pflege ihres Bruders nach Zustimmung der anderen Erben bereits dessen jährliche Rate aus dem Hausverkauf in Höhe von 8 Gulden erhalten. Als ihre Brüder Simon und Matthias ihrem Ehemann Simon Roth am 20 März 1629 die vollständige Zahlung des Kaufbetrags quittieren, werden ihr nochmals 9 Gulden aus dem Kaufpreis zugesprochen. Grund ist erneut, dass sie den minderjährigen Bruder Adam bis zu seinem Tod betreut und gepflegt hat.

1656 bis 1672: Michael Roth

Am 10 Februar 1656 erscheint Simon Roth auf dem Amt in Petschau und gibt bekannt, dass er sein Gemeinhäusl gegen Zahlung von 130 Gulden seinem Sohn Michael Roth übergibt. Zum Haus gehören 4 Tagwerk Feld und 7 Tagwerk Wiese. Die Anzahlung soll 30 Gulden betragen. 8 Gulden sollen jährlich zu Martini gezahlt werden. Außerdem wird lebenslange Herberge für den Vater vorgesehen und die Nutzung eines halben Tagwerk Felds.

Michael Roth gibt dem Amt nach elf Jahren – am 1 Februar 1667 – bekannt, die Kaufsumme von 130 Gulden vollständig bezahlt zu haben. 68 Gulden seien durch die mit seinem Vater Simon vereinbarten Ratenzahlungen beglichen. Für die Versorgung und das Begräbnis des Vaters seien ihm 22 Gulden gutgeschrieben worden. Den restlichen Kaufpreis habe er nach dem Tod des Vaters unter den vier Geschwistern aufgeteilt und sich selbst, seinen Geschwistern Matthias, Walburga und dem in Grün wohnhaften Georg zu gleichen Teilen – nämlich je 10 Gulden – übergeben.

Michael Roth und seine Ehefrau Katharina sind nun Besitzer des Hauses, das sie am 13 Juni 1672 gegen Zahlung von 230 Gulden an Benedikt Pichl verkaufen. Man kann davon ausgehen, dass es hier eine verwandtschaftliche Verbindung gibt. Eventuell ist Michael Roth Benedikts Onkel und Bruder seiner Mutter. Denn Benedikt Pichl ist ein Sohn von Simon Pichl und dessen erster Ehefrau Maria Anna Roth, einer Tochter des Andreas Roth aus dem Zwei-Achtel-Hof Neudorf 11, dessen Besitz in der weiteren Geschichte des Hauses eine Rolle spielen wird.

1672 bis 1675: Benedikt Pichl

Der aus dem Zwei-Achtel-Hof Neudorf 11 stammende Benedikt Pichl zahlt den gesamten Kaufpreis von 230 Gulden bar. Er erhält das Haus Neudorf 30 (ab 1805: 34) am 13 Juni 1672 per Grundbucheintrag zusammen mit 4 Tagwerk Feld und 3 Tagwerk Wiese.

Weitere Rechte für die Vorbesitzer werden nicht eingetragen, und schon 1675 segnet Benedikt das Zeitliche. Seine Witwe Maria, eine geborene Franz aus Sangerberg, tritt nun im Rahmen der Erbregelung für Benedikts Geburtshaus Neudorf 11 das Gemeinhäusl 30 (ab 1805: 34) an den Schwiegervater Simon Pichl ab und setzt es als Anzahlung für den Zwei-Achtel-Hof Neudorf 11 anstelle einer Barzahlung ein.

1675: Simon Pichl

Benedikts Vater Simon Pichl behält das Gemeinhäusl Neudorf 30 (ab 1805: 34) nur für kurze Zeit. Er verkauft es kurz vor seinem Tod am 27 Mai 1675 an seinen Stiefsohn Martin Tischer – einen Sohn seiner Ehefrau Walburga aus erster Ehe.

1675 bis 1705: Martin Tischer

Und so erscheint am 27 Mai 1675 Martin Tischer [Discher] auf dem Amt in Petschau und erklärt, er habe seinem Stiefvater Simon Pichl das Gemeinhäusl Neudorf 30 (ab 1805: 34) zum Preis von 252 Gulden abgekauft. Simon Pichl habe das Haus von der Witwe des verstorbenen Benedikt Pichl namens Maria im Rahmen der Erbregelung für den Zwei-Achtel-Hof Neudorf 11 erhalten. Er erhalte es nun in dem Zustand, in dem es Benedikt Pichl genutzt und besessen habe, zusammen mit Feld und Wiesen, Wegerecht und anderen eingetragenen Rechten.

Die Anzahlung für das Haus wird auf 80 Gulden festgesetzt, die Martin Tischer dem Simon Pichl bar begleicht. Danach sollen jährliche Raten in Höhe von 8 Gulden jeweils zu Michaelis erfolgen. Da Simon kurz nach dem Verkauf verstirbt, gehen diese von 1676 bis 1678 an dessen Witwe Walburga.

Im März 1683 ist Martin Tischer noch insgesamt 148 Gulden schuldig. Hiervon darf er 40 Gulden abziehen als Ausgleich dafür, dass er vom Hof Neudorf 11 nichts erhalten hat, obwohl er mit seinem Bruder Matthias jahrelang dem Stiefvater Simon Pichl zugearbeitet hatte. Die restlichen 108 Gulden stehen nun, nachdem auch Simon Pichls zweite Ehefrau und Witwe Walburga (in erster Ehe verheiratete Tischer) verstorben ist, der jetzigen Besitzerin des Hofs Neudorf 11 und ihren Kindern zu. Dies ist die Ehefrau des Vorbesitzers Benedikt Pichl – Maria, geborene Franz, die sich inzwischen mit Simon Schmiedl verheiratet hat.

Martin Tischer kann seinem Gemeinhäusl im Alter nicht mehr vorstehen, daher verkauft er es 1705 an Georg Böhm.

1705 bis 1707: Georg Böhm

Martin Tischer verkauft das Haus für 210 Gulden an Georg Böhm. Die Anzahlung beträgt 20 Gulden, danach sollen jährlich zu Martini 8 Gulden gezahlt werden. Martin behält für sich und seine Frau Margaretha das Wohnrecht auf Lebenszeit in der Stubenkammer, außerdem Anteile an Äckern und an einer halben Wiese. Sollte ein Ehepartner sterben, würde das Recht an einem halben Tagwerk Feld wieder an Georg gehen, nach dem Tod des anderen Partners auch die sonstigen Rechte an Feldern und Wiesen wieder diesem zustehen. Sollte man sich nicht vergleichen können diesbezüglich und nicht vertragen, müsse Georg dem Martin Tischer und seiner Frau nach ihrem Auszug jährlich 2 Gulden Herbergsgeld zahlen.

Am 17 Apr 1705 wird Georg Böhm als neuer Besitzer des Gemeinhäusl 30 (ab 1806: 34) im Grundbuch von Neudorf eingetragen. Der Kaufpreis von 210 Gulden ist wie folgt aufgeteilt: 76 Gulden stehen aus dem Hauskauf des Vorbesitzers Martin Tischer noch der Maria Pichl (geborene Franz, jetzt verheiratete Schmiedl) in Neudorf 11 zu (hiervon zahlt Georg 36 Gulden bis 1707, als er verstirbt). 134 Gulden stehen anschließend noch dem Vorbesitzer und Verkäufer Martin Tischer als selbst zu.

1708 bis 1750: Thomas Opl

Thomas Opl heiratet 1708 in zweiter Ehe die Witwe des Georg Böhm und übernimmt damit sämtliche Zahlungen, die Georg noch zu leisten gehabt hätte. Diese sehen wie folgt aus: Die Restschuld von 40 Gulden aus dem Hauskauf des Martin Tischer begleicht Thomas Opl bis 1709 an Maria Schmiedl. Im Anschluss geht der Restbetrag an deren Erben, die als Eva, Maria und Johann Pichl benannt werden. Danach zahlt Thomas Opl dem Vorbesitzer Martin Tischer und seinen Erben noch die Beträge aus dem Hausverkauf an Georg Böhm. 32 Gulden erhält Martin selbst, 56 Gulden nach seinem Tod ab 1719 dann dessen Ehefrau Margaretha Tischer, die bis zu ihrem Tod im Jahr 1728 noch im Haus wohnt. Somit verbleibt eine Schuld von 46 Gulden, die bis 1736 von Thomas Opl vollständig beglichen werden. Als Zahlungsempfänger sind folgende Erben des Martin Tischer angeführt: Simon Tischer, Johann Simon und Gregor Eckl.

1750 bis 1773: Johann Opl

Johann (oder Johannes) Opl kauft am 1 April 1750 das Wohnhaus seines Vaters zum Preis von 310 Gulden und begleicht diesem die Anzahlung in Höhe von 40 Gulden bar auf die Hand. Die jährlichen Raten – erneut zu 8 Gulden vereinbart – gehen bis zum Tod des Vaters an diesen selbst, danach an dessen Erben.

Thomas Opl legt anlässlich der Hausübergabe sehr detailliert fest, welche Rechte an Feldern und Wiesen er sich ausbedingt. Hier sind genannt: der halbe Mütteracker, ein halbes Tagwerk Feld bei dem Wehrhölzl, die halbe Wiese beim Tummelplatz, das Plaschackerl, ein Stück Wiese daneben, ein Stück Feld in der alten Höll, ein Wiesl in Tiefenbach. Dieses Land kann bis zu deinem Tod von ihm selbst genutzt und verwaltet werden. Nur über den Verkauf der Plaschwiese kann der Käufer Johann Opl selbst entscheiden. Außerdem wird festgelegt, dass die Nebenkammer in der Stube sowie die Kammer auf dem Boden dem Verkäufer zustehen, zudem der vordere Ofentopf, Platz auf dem Getreideboden, Platz im Stall für Vieh, zwei Pflanzbeete u.a. Sollten Sohn und Vater mit Frau sich nicht vertragen, würde jährlich nach deren Auszug ein Herbergsgeld in Höhe von 3 Gulden zu zahlen.

Thomas Opl lebt noch 10 Jahre, bis er am 7 August 1760 im Alter von 83 Jahren verstirbt. So lange zahlt Johann Opl die Raten aus dem Haus an den Vater. Anschließend treten insgesamt 6 Geschwister (Johann inkludiert) in das Erbe ein, die leider namentlich im Alten Grundbuch nicht genannt sind.

Mit Johann Opl enden im Alten Grundbuch die Einträge für Haus 30 (ab 1805: 34). Die Chronik vermerkt, dass nach Johann Opl folgende Besitzer das Haus besitzen und bewohnen:

1773 bis 1809: Franz Eckl
1809 bis 1838: Franz Josef Eckl
Ab 1838: Karl Stowasser

Quellenangaben:
1) Nova Ves (Neudorf), 1600-1779, Altes Grundt Buch, 522 ff. www.portafontium.eu.
2) Matrikel für Nova Ves (Neudorf), www.portafontium.eu
3) Chronik Neudorf, 1884-1936, 564.
4) Familienstammbäume: www.familienforschung-lugner.de