Familienforschung und Geschichte(n)

Was ist so interessant an der Familienforschung, dass Millionen von Menschen sich heute damit befassen? Das reine Sammeln und Ordnen von Daten ist sicherlich, für sich genommen, nicht zufriedenstellend. Das Studium der Akten und das Erfassen von Einträgen ist mühsam und zeitaufwändig und gestaltet sich vor allem dann schwierig, wenn Matrikel und Amtsbücher nicht online einzusehen sind. Das Entziffern alter Handschriften bedarf zudem vielfach des gesonderten Studiums. Hat man aber die anfänglich notwendigen, grundlegenden Studien vorgenommen und Recherchearbeiten geleistet, tun sich Zusammenhänge auf, die unseren Horizont und unser Verständnis von uns selbst ungemein erweitern können.

Geschichtswissen eröffnet sich durch Familienforschung in zweifacher Hinsicht – als Zugang zum historischen Hintergrund und als Zugang zur Lebensgeschichte unserer Vorfahren. Hinzu kommt der Aspekt der Identitätsbildung in mehrfacher Hinsicht.

Ist es nicht letztendlich das Erzählen von Geschichten, das Teil unserer eigenen Identität ist? Wir alle definieren uns über das Einordnen einer Reihe persönlicher Erfahrungen und erzählen rückblickend wiederholt uns selbst und anderen unsere eigene(n) Geschichte(n). Wir gestalten unser individuelles Erzählen durchaus subjektiv und wandeln einzelne Geschichten im Lauf der Zeit ab. Erweiternder Bestandteil der Erzählung und damit auch unserer Identität sind die Geschichten, die wir von Eltern und Großeltern gehört haben und über die wir erinnernd weit in die Vergangenheit hinein denken können. Erlebten wir noch eine erzählende Urgroßmutter, kann die Erinnerung beispielsweise bis zur fünften Generation vor uns reichen – gleich, ob uns dies bewusst ist oder unbewusst abläuft.

Ich möchte die folgenden Thesen zur Diskussion stellen: Indem wir die vor uns Lebenden in unsere persönliche Erzählung aufnehmen, erfahren wir, wer wir sind. Wir können durch Familienforschung und damit verbundene Erzählung individuelle Stärkung erfahren und familiären Zusammenhalt herstellen. Wir können Familienforschungsergebnisse in Verbindung mit regionalem Kontext bringen und mehr über Traditionen einer Familie oder Region erfahren, die es wert sind, erhalten zu werden. Unter Umständen können wir gar schwierige problematische Situationen in der gegenwärtigen Familie besser verstehen, einordnen oder loslassen, indem wir eine Einbindung unserer Person in weiter zurückreichende soziale Strukturen erreichen und indem wir Verständnis für das Verhalten einzelner Personen entwickeln.

Familienforschung kann im Ergebnis unsere Sichtweise auf uns selbst und die Welt in vielfacher Hinsicht relativieren, sofern sie nicht bei unserer eigenen kleinen Welt stehenbleibt. Es dürfte also den meisten Familienforschern nicht nur ein Bedürfnis zu sein, Familiendaten zu sammeln, sondern auch, zu erzählen, woher einzelne Familiengruppen kommen und wer sie sind. So jedenfalls geht es mir. Es ist mir nicht nur ein Anliegen, die persönlichen Geschichten festzuhalten. Mein Interesse geht darüber hinaus. Viele Familienforscher legen regionale und thematische Schwerpunkte. Ich selbst habe zwei solcher – thematisch, regional und zeitlich begrenzter – Schwerpunkte:

a) Familienforschung zur westböhmischen Region um Neudorf (Nová Ves u Sokolova), Schönfeld (Krásno nad Teplou) sowie Ober- und Untertiefenbach (Horní / Dolny Hluboká) und angrenzender Ortschaften im Zeitraum 16. bis 20. Jahrhundert. Zur Website…

b) Erforschung von Amerika-Auswanderern aus der Region Aschaffenburg (vorläufig mit Schwerpunkt auf der Ortschaft Stockstadt am Main) im Zeitraum 1750 bis 1900. Zur Website…

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