Familie Grünes in Tiefenbach

Für das 18. Jahrhundert sind mehrere Familien des Nachnamens Krines oder Krineß (heute Grünes geschrieben) in den Matrikeln von Petschau und Schönfeld nachgewiesen. Während die familiären und verwandtschaftlichen Verbindungen spätestens ab 1730 eindeutig geklärt werden können, stellt sich die familiäre Zuordnung der für das 17. und 16. Jahrhundert vermerkten Personen aufgrund mangelhafter oder fehlender Matrikeleinträge einigermaßen schwierig dar. Zum Teil helfen hier alte Grund- und Schuldbücher und Personenverzeichnisse.

Die nachfolgende Aufstellung von Personen und Paaren mit Kindern zeigt Fakten auf, die bislang recherchiert und nachgewiesen wurden. Vieles liegt für diese frühe Zeit noch im Dunkeln. Doch lässt sich sicher festhalten, dass die „Grünes“ ab etwa 1600 in der Ortschaft Tiefenbach lebten und dort Höfe besaßen.

Christoph Grünes

Ein früher Vertreter dieses Namens, der um 1550 geboren sein dürfte, steht vorläufig noch isoliert für sich. Eine Verbindung zu den folgenden Familien ist nicht nachgewiesen. Ich will ihn dennoch nicht unerwähnt lassen, da er aus der Nähe Untertiefenbachs kommt. Es ist Christoph Grünes (Christoff Krines), der ab 1581 als lutherischer Pfarrer in Karlsbad tätig war und der aus Schlaggenwald stammte, wie sein eigenhändig geschriebener Eintrag im ersten Karlsbader Kirchenbuch bekannt gibt.

Schönfelder Matrikeleinträge

Auch im Nachbarstädtchen Schönfeld sind Taufen, Eheschließungen und Todesfälle für Grünes-Familien verzeichnet. Es ist nicht sicher, ob alle diese Familien den in Tiefenbach lebenden zuzuordnen sind oder ob Verwandte auch in Schönfeld selbst lebten. Das ist noch nicht eindeutig geklärt. Weitere Recherchen hierzu laufen.

Thomas Grünes

Mehrere Einträge in den Schönfelder Matrikeln beziehen sich auf die Familie des Thomas Grünes, dessen Geburtsjahr um 1530 liegen dürfte. Anlässlich der Taufe des Sohns Adam am Valentinstag des Jahres 1560 in der Schönfelder Pfarrkirche ist angegeben, dass Thomas Grünes und seine Ehefrau Agnes aus Untertiefenbach stammen. Weitere Kinder des Paares sind Katharina und Maria, die wie ihre Mutter im Oktober 1585 tragischerweise im Verlauf einer Pestepidemie starben.

Michael Grünes

Michael Grünes, der 1599 in Schönfeld heiratete, könnte ein Sohn oder Bruder des vorab genannten Thomas Grünes sein. Im Heiratsmatrikel ist jedoch angegeben, dass Michael Grünes nicht in Untertiefenbach, sondern in Obertiefenbach wohnte. Er vermählte sich mit der Witwe des Georg Fischer namens Katharina. Weitere Angaben zu dieser Familie fehlen noch.

Salomon Grünes

Ein Salomon Grünes heiratete am 23 Oktober 1622 in Schönfeld Maria Weigel und ließ ab 1625 in der dortigen Pfarrkirche die Kinder Sabina und Elisabeth taufen. Es ist nicht geklärt, ob die Familie in Schönfeld oder in benachbarten Ortschaften lebte, aus denen die Täuflinge oft nach Schönfeld gebracht wurden. Auch diese Familie wird noch eingehender erforscht werden müssen. Möglicherweise emigrierte sie im Rahmen der Rekatholisierung noch vor 1629.

Grünes-Familien in Untertiefenbach

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts treten mehrere Personen namens Grünes in den Dokumenten der unterhalb von Schönfeld liegenden Gemeinde Untertiefenbach auf, die zur Herrschaft Petschau gehörte. Es handelt sich um Andreas, Melchior und Wolf Grünes. Die drei Genannten dürften um 1580 bis 1590 geboren sein. Möglicherweise handelt es sich um Söhne oder Enkel des oben angeführten Thomas Grünes. Belege hierfür sind jedoch noch nicht gefunden. Was nachfolgend aufgeführt ist, ergab sich aus Studien der Untertiefenbacher Grund- und Obligationsbücher.

Andreas und Melchior Grünes

Am 12 November 1611 erschienen die Untertiefenbacher Brüder Andreas und Melchior Grünes auf dem Petschauer Amt. Melchior erklärte, sein Bruder Andreas habe seine Schulden nicht beglichen. Aufgrund seiner Beschwerde gab es einen amtlichen Vermerk im Obligationsbuch von Petschau. Die Brüder einigten sich darin verbindlich auf eine Ratenzahlung. Andreas sollte– so wurde es festgehalten – seinem Bruder binnen 14 Tagen einen Teilbetrag von 8 Gulden und 36 Kreuzern zahlen. Im folgenden Jahr zu Martini würden dann die nach der Zahlung noch ausstehenden 17 Gulden 12 Kreuzern fällig. Zu beiden Zahlungen wurde Andreas amtlich verpflichtet.

Vermutlich handelt es sich bei der angeführten Zahlung um die Auszahlung eines Erbteils, was ich davon ableite, dass Andreas Grünes im Urbar der Herrschaft Petschau des Jahres 1615 als Besitzer eines Zwei-Achtel-Hofs aufgeführt wird. Der Name seines Bruders taucht jedoch in entsprechenden Besitzverzeichnissen nicht auf. Melchior ist demnach wohl ein jüngerer Bruder ohne Besitzanspruch auf den väterlichen Hof. Nachweislich ist er 1629 noch am Leben ist. In diesem Jahr wurde im Grundbuch von Tiefenbach vermerkt, dass Andreas seinem Bruder Melchior weiterhin Geld schuldet.

Auch eine Schwester muss Andreas Grünes besessen haben. Denn im Jahr 1630 verkaufte er seinen Hof – vermutlich mangels eigener männlicher Nachkommen – an seinen Schwager Johann Rohm. Der Name der Schwester liegt noch im Dunkeln.

Wolf Grünes

1615 lebten lediglich 15 Untertanen der Herrschaft im Dorf Tiefenbach, aufgeteilt auf einzelne Höfe in Unter- und Obertiefenbach. Im Urbar für das Jahr 1615 finden wir neben dem genannten Andreas Grünes einen Wolf Grünes als Besitzer eines weiteren Zwei-Achtel-Hofs in Untertiefenbach. Wie schon gesagt, dürfte Andreas Grünes keine männlichen Nachkommen gehabt haben. Für Wolf Grünes jedoch sind zwei Familien mit Söhnen nachgewiesen, die den Namen weitergegeben haben könnten.

Die erste Ehefrau hieß Maria, aus dieser Ehe gibt es Taufeinträge für die Kinder Katharina (am 3 Januar 1639), Wolfgang (24 November 1640) und Daniel (27 April 1647). Auch eine Tochter Anna Maria, die 1666 einen Paul Rüdiger in Schönfeld heiratete, gehört wohl zu dieser Familie.

Für den 20 Juli 1653 ist dann eine weitere Ehe mit Maria Siebenhinner aus Schlaggenwald verzeichnet. Dem Paar wurde am 12 März 1654 ein Zwillingspärchen (Anna und Johann Georg) geboren. Am 19 März 1655 kam Tochter Maria Barbara zur Welt, und am 29 Juli 1659 wurde Sohn Gabriel getauft. Leider gibt es bislang keine weiteren Angaben zu Nachkommen.

Johann Grünes, der Ältere (Hannß Krines)

Erst der nun auftretende Johann Grünes ist nachweislich Stammvater einiger Untertiefenbacher Grünes-Familien mit verzweigter Nachkommenschaft. Wer sein Vater ist, ist jedoch nicht bekannt. Johann Grünes dürfte gegen 1590 geboren sein, denn bereits 1621 kaufte er von der Witwe des Georg Brandstetter den oberen Neudorfer Berghof mit den späteren Hausnummern 92 und 93 (vor 1805: 100 und 134). Dieser Zwei-Achtel-Hof hatte sich vorher im Besitz seines Schwiegervaters Jakob Lugner befunden. (Der verwandtschaftliche Zusammenhang wird deutlich, da im Grundbuch noch Ratenzahlungen an Jakob verzeichnet sind, in denen dieser als „Schweher“ = „Schwiegervater“ bezeichnet wird. Zudem ist durch weitere Neudorfer Grundbucheinträge nachweisbar, dass die Tochter von Jakob Lugner (Jacob Lueger) namens Susanne eine verheiratete Krines war. Der Vorname ihres Mannes ist in den Einträgen für die eigenen Erbschaftsansprüche nicht explizit angeführt, doch findet sich an anderer Stelle der Hinweis, dass es sich um Johann (Hans) Grünes handelt.)

Johann Grünes und Susanne Lugner heirateten um 1628, etwa zu der Zeit, zu der Susannes Vater den Ort Neudorf verlassen musste, da er der lutherischen Religion nicht abschwören wollte. Nur wenige Jahre später verließen auch Susanne und ihr Mann Johann Neudorf. Denn am 28 Dezember 1635 tauschte Johann Grünes mit Simon Pichl aus Grün seinen Hof in Neudorf gegen dessen Hof in Untertiefenbach. Da der Untertiefenbacher Hof im Wert unter dem des Neudorfer Hofs lag, wurden Ratenzahlungen vereinbart, die Johann Grünes von Simon Pichl erhielt. Diese Zahlungen waren am 9 April 1643 spätestens abgeschlossen.

Johann Grünes, der Jüngere

Johann Grünes, der Ältere, übergab am 3 Juli 1657 seinen Hof an seinen Sohn Hans (Johann Grünes, der Jüngere). Diesem werden im Grundbuch zwei Söhne nachweislich zugeschrieben. Weitere Nachkommen sind noch nicht bekannt. Sicher ist jedoch, dass Johanns Söhne den Untertiefenbacher Hof von ihrem Vater übernehmen.

Georg und Simon Grünes

Als Johann Grünes aufgrund seines Alters den Fünf-Achtel-Hof in Untertiefenbach nicht mehr führen konnte, übergab er ihn am 19 Januar 1699 an seine beiden Söhne Georg Grünes und Simon Grünes zum Preis von 500 Gulden. Zum Hof gehörten vier Pferde, vier Kühe und vier Kälber, dazu das gesamte Hausgerät. Der Vater erhielt wie üblich zusammen mit seiner Frau freie Herberge, dazu 1 Tagwerk Wiese und Tiere mit dem Anspruch auf Futter und Stroh. Im weiteren Verlauf wird der Hof zwischen den Brüdern und unter ihren Erben aufgeteilt.

Die Linien inkl. genauer Quellenangaben habe ich auf meiner Website mit genealogischer Datenbank dargestellt, soweit dies möglich war. Änderungen und Ergänzungen sind jeweils vorbehalten, da die Recherchen für die Familie noch nicht abgeschlossen sind.

Quellenangaben:
1) Urbar Becov nad Teplou 1615
2) Becov 2686, Obligationsbuch Petschau
3) Tiefenbacher Altes Grundt Buch, 1606-1794
4) Neudorfer Altes Grundt Buch, 1600-1779