Die Schönfelder Bäckerfamilie Klement

Die Bäckerfamilie Klement betrieb eine Bäckerei in der Unteren Langen Gasse 151 in Schönfeld. Zwei Generationen der Familie sorgten zwischen etwa 1900 und 1944 für das leibliche Wohl der Schönfelder Bevölkerung.

Wilhelm und Franziska Klement

Bäckermeister Wilhelm Klement stammte aus Petschau, wo er am 23 April 1852 als Sohn des Josef Klement und der Theresia Zeitz geboren wurde. Am 24 April 1852 taufte man ihn in der Petschauer Pfarrkirche St. Georg. Sein Taufpate war Wilhelm Pascuty.

Wilhelms in Lauterbach-Stadt zur Welt gekommener Großvater Philipp sowie sein Vater Josef und dessen Brüder waren Hammerklavierbauer (Fortepianobauer) von Beruf und allesamt mit ihren Familien in Petschau ansässig. Wieso Wilhelm aus der Reihe tanzte, den Bäckerberuf ergriff, nicht in die Fußstapfen seiner Vorfahren trat und den Wohnort wechselte, können wir nicht mehr erfahren. Vermutlich lag die Berufswahl an der engen Verbindung der Familie Klement zur Petschauer Bäckerfamilie Stowasser. Bäckermeister Georg und seine Ehefrau Rosina standen nicht nur zwischen 1818 und 1828 als Paten für Wilhelms Tanten und Onkel zur Verfügung. Die nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1838 verwitwete Rosina diente auch als Hebamme bei vielen der Geburten in der Klement-Familie. Und so hat Wilhelm Klement den Bäckerberuf wohl bei Georg Stowasser erlernt.

Uneheliche Geburten waren in der Familie Wilhelms schon in des Vaters Generation an der Tagesordnung gewesen. Zwei seiner Tanten hatten uneheliche Kinder zur Welt gebracht. Einer seiner Onkel heiratete erst nach der Geburt des ersten Kindes. Und Wilhelms Vater Josef nahm dessen Mutter Theresia gar erst nach der Geburt des vierten Kindes zur Frau. Da überrascht es wenig, dass Wilhelm sich im Alter von 47 Jahren nicht scheute, eine um 18 Jahre jüngere Frau mit einem unehelich geborenen Kind zur Frau zu nehmen.

Es handelte sich um Franziska, die Tochter des Müllermeisters Johann Peter und dessen Ehefrau Theresia Opl. Ihre Heirat fand am 12 Januar 1899 in der Neudorfer Kirche statt. Die Trauzeugen waren Hermann Kugler, ein Schuhmachermeister aus Karlsbad, der mit Sicherheit Verbindung zur Schönfelder Kugler-Familie und deren Müllerzweig in Karlsbad hatte, und Josef Peter, ein Müllergehilfe in Obertiefenbach 23 (Neudorfer Mühle), der Bruder der Braut. Die zum Zeitpunkt der Heirat knapp 29 Jahre alte Franziska Peter war am 6 Februar 1870 in der zwischen Neudorf und (dem nicht mehr existierenden) Obertiefenbach gelegenen, so genannten „Neudorfer Mühle“ zur Welt gekommen.

Es liegt nahe, dass der Bäcker Wilhelm seine Franziska in der Mühle kennengelernt hat. Diese Mühle lag oberhalb des Verbindungswegs zwischen Neudorf (Nová Ves) und Obertiefenbach (Horní Hluboká) nahe dem Zufluss des Gurgelbachs in den Leitenbach. Die Hausnummer war „Neudorf 161“. Später, nach der Zuordnung zur Obertiefenbacher Gemarkung, hieß die Mühle „Obertiefenbach 23“.

Heute sieht man an diesem Ort noch die Ruine der Mühle und den Mühlgraben (Stand August 2020). Die ehemaligen Wiesen und Felder der Familie Peter sind von Büschen und Bäumen überwuchert. Und auch die nicht weit entfernt liegende Ortschaft Obertiefenbach wurde aufgelassen und ist dem Erdboden gleichgemacht worden. Nichts ist davon mehr zu sehen außer diesen letzten Mauerresten.

Karl Peter = Karl Klement

Hier in der Mühle war auch Franziskas unehelicher Sohn geboren worden, den sie mit in die Ehe mit Wilhelm Klement brachte. Der Junge hieß Karl, war am 21 November 1894 zur Welt gekommen und trug wie seine Mutter den Familiennamen Peter. Karls Vater ist bislang nicht bekannt, der Zusammenhang ließe sich heute allenfalls noch über DNA-Test-Vergleiche feststellen, sollte sich nicht herausstellen, dass der Vater in den aus Datenschutzgründen noch verschlossen gehaltenen Matrikeln vermerkt ist. Wilhelm Klement jedenfalls war nicht der Vater, denn als Franziska Peter und Wilhelm Klement heirateten, wurde im Trauregister Folgendes festgehalten: {Das Kind ‚Peter Karl‘, geb. 21 Nov 94 in Neudorf, konnte nicht legitimiert werden, weil der Bräutigam nicht der natürliche Vater desselben ist.}

Wann Wilhelm und Franziska nach Schönfeld zogen, ist nicht bekannt. Vermutlich geschah das schon bald nach der Heirat. Auch ob Wilhelm schon einmal verheiratet gewesen ist und ob weitere Kinder existieren, wissen wir derzeit noch nicht. Um 1909 herum jedenfalls adoptierte Wilhelm Klement Franziskas Jungen, was anlässlich dessen Heirat in den Schönfeldern Matrikeln verzeichnet wird.

Karl und Frieda Klement

Seit 1909 durfte Karl Peter sich also Karl Klement nennen. Was er auch tat. Er gab diesen Namen an seine Kinder weiter, ergriff zudem den Beruf des Stiefvaters und führte die Bäckerei in der Unteren Langen Gasse 151 bis zu seinem frühen Tod am 10 August 1944. Aus Familienkreisen stammt die Information, dass Karl an einer Infektionskrankheit verstarb. Vermutlich handelt es sich um Typhus, was jedoch noch nachzuprüfen wäre.

Karl Klement, geborener Peter, heiratete seine Braut Frieda am 5 Februar 1921 in Schönfeld. Trauzeugen waren Hermann Lochschmidt, Landwirt in Schlaggenwald, und Franz Peter, Müller in Obertiefenbach. Karls Ehefrau Frieda, die ihn um 36 Jahre überlebte, stammte aus Schlaggenwald. Dort war sie am 27 Februar 1897 geboren worden. Sie war eine Tochter des Franz Kühnhackl, Besitzer des Meierhofs Hasenbühl, und dessen mit ihm in zweiter Ehe verheirateten Frau Elisabeth Brandl aus der Ortschaft Schwand. Schon Friedas Großvater Johann Kühnhackl und dessen Vorfahren hatten den Hof in Hasenbühl besessen, und auf der historische Karte ist gut zu erkennen, wie groß die Flächen waren, die der Familie Kühnhackl (früher Kinhackl oder Kinhakl geschrieben) gehört haben. In Matrikeln werden die Kühnhackls oft als Wirtschaftsbesitzer bezeichnet, was jedoch auch Landwirtschaftsbesitzer bedeuten könnte.

Mir ist nicht im Einzelnen bekannt, wie viele Kinder Karl und Frieda hatten. Ganz sicher gab es drei Töchter, die die Namen Luise, Paula und Anna trugen. Luise, die 1920 vor der Heirat der Eltern geboren ist, wurde nur 22 Jahre alt und ist in Schönfeld begraben. Anna, geboren 1922, gründete eine Familie, und über Paula vermag ich nichts zu sagen. Vielleicht können andere hier mit Wissen weiterhelfen.

In die Fremde

Dem Bäckermeister Karl und seiner Tochter Luise blieb aufgrund des frühen Todes die Vertreibung erspart. Karl Klements Ehefrau Frieda hingegen musste nach dem Zweiten Weltkrieg wie die meisten Schönfelder ihren Heimatort verlassen. Am 6 Juni 1946 bestieg sie mit ihrer Tochter Anna den Waggon 12 im Zug mit der Nummer 8, um in den Westen transportiert zu werden.

Frieda heiratete kein zweites Mal. Tochter Anna heiratete in dem Ort in Unterfranken, in dem beide nach 1946 lebten und verstarben. Auf dem Schönfelder Friedhof findet man heute noch das Grab von Karl Klement, geb. Peter, und seiner Tochter Luise. Das linke Bild wurde im Winter 2013 aufgenommen, da stand der Grabstein noch – wenn auch mit einem Riss versehen. Sieben Jahre später, im Sommer 2020, lag der Grabstein auf dem Boden. Wie so viele andere, wird er in den kommenden Jahren verschwinden, wenn er nicht von den Nachkommen renoviert und aufgerichtet wird.

Der Familienstammbaum

Lebensdaten und den Stammbaum der Familie Klement findet ihr auf meiner Website zur böhmischen Familienforschung.

Quellenangaben:
1) Matrikel für Becov nad Teplou (Petschau), Tiefenbach (Dolny/Horní Hluboká) und Krásno (Schönfeld). www.portafontium.eu

2) Kartenausschnitte, historische Kataster: www.archivnimapy.cuzk.cz