1730-1740: Erdäpfel zu Schönfeld

Zitiert aus der Schönfelder Chronik (1836-1932)

Um die Jahre 1730-1740 mögen die so genannten Erdäpfel zuerst in Schönfeld angebaut worden sein. Das Vaterland der Erdäpfel ist Amerika, höchstwahrscheinlich wuchsen sie daselbst in dem gold- und silberreichen Land Peru wild, weil man in unseren Breiten daselbst wildwachsende Erdäpfel gefunden hat. Amerika hat das meiste Gold, über 30.000 Millionen Gulden in Gold sollen seit der Entdeckung Amerikas von Peru nach Spanien gebracht worden sein, aber wohltätiger als all das viele Gold sind für die Menschen die Erdäpfel, die uns dieser Weltteil geliefert hat.

Wir kennen jetzt kein Gewächs, das einen so ausgebreiteten Nutzen gewährte, wie die Erdäpfel; denn sie können zur Nahrung der Menschen und der verschiedenen Haustiere mit gleichem Vorteil verwendet werden. Auch sind sie gegen die Witterung der verschiedenen Gegenden nicht so empfindlich wie andere Gewächse, und daher ist ihr Ertrag immer sicherer und reicher als bei dem Getreide. In England hat man ausgerechnet, dass ein bestimmtes Ackerfeld mit Erdäpfeln bepflanzt zu einer Mahlzeit von 6000 Menschen hinreicht statt dass dasselbe Feld mit Weizen besät nur 1000 Personen sättigen würde. Diese nützlichen Erdknollen haben oft schon den Hunger abgewendet, der ohne sie viele tausend Menschen hingerafft haben würde.

Heut zu Tag sind die Erdäpfel die Hauptnahrung der gemeinen und armen Leute. Die Armen bewerben sich alle Jahr darum, dass sie von den Wohlhabenden ein Stück Feld zu pachten bekommen und bauen auf demselben Erdäpfel an.Und so erbaut manche arme Familie in guten Jahren wohl 100 Stück dieser Erdknollen, die auch im Verlaufe des Jahres aufgezehrt werden. Die Erdäpfel sind für arme Leute eine der größten Wohltaten Gottes und ohne dieselben würden sie sich heut zu Tage nicht ernähren können. […] Lasst uns daher die Erdäpfeln als ein großes Himmelsgeschenk betrachten und die Männer, die sie zu uns brachten als die größten Wohltäter der Menschheit hochachten und im gesegneten Andenken erhalten. Die Entdecker von Amerika fanden die Erdäpfel daselbst schon in vielen Gegenden angebaut und als Nahrung der meisten Menschen in Gebrauch.

Nach Böhmen kamen die Erdäpfel zuerst durch die Irländer Franziskaner P. Hiberna denn diese pflanzten sie zu Prag in ihren Klostergärten an, von hier aus wurden sie wohl in andere Gärten versetzt, aber weiter konnten sie nicht vordringen. Ihr Anbau auf dem Lande verbreitete sich auf anderen Wegen.

Nach Europa kamen die Erdäpfel durch die Spanier und Engländer. Die Spanier brachten sie aus dem südlichen Amerika zwischen den Jahren 1560 und 1570 nach Europa und bauten sie an. Aus Spanien scheinen sie nach Burgund in in das südliche Italien gekommen zu sein. Aber das größte Verdienst um die Anpflanzung der Erdäpfel nach Europa erwarb sich der Engländer Admiral Franz Drake. Er lernte sie zuerst im Jahre 1578 auf den Inseln der Südsee kennen und brachte sie im Jahre 1585 auf seiner Rückreise nach Virginien, pflanzte sie daselbst an und brachte sie im folgenden Jahre 1586 von dorthen nach England, baute sie in seinen Gärten an und sorgte für die Weiterverbreitung derselben.

Im Jahre 1717 brachte General Lieutenant Mittkau die Erdäpfel aus Brabant nach Sachsen. Von hier aus kamen sie durch die Bergleute aus dem Erzgebirge in die Gegend von Joachimsthal-Schlaggenwald-Schönfeld. Zu Schlaggenwald soll sie Friedrich Schmid, Bürger und Gärtner allda um die Jahre 1730-1740 zuerst in seinen Gärten angebaut haben.

Aber demungeachtet wurde der Anbau dieser nützlichen Erdfrucht in unserem Vaterlande noch lange nicht allgemein verbreitet. Mehrere Gutsbesitzer Böhmens hatten zwar von den Hibernauer Samen-Erdäpfel erhalten, dieselben in ihren Gärten angebaut und auch den Landleuten Samen-Erdäpfel mitgeteilt. Allein die Bauern und ihr Gesinde hielten die Erdäpfel allenfalls gut genug zum Schweinefutter, aber sie selbst wollten keine genießen und bauten sie daher auch nur wenig an.

Allein was weder Belehrung noch Ermunterung noch Beispiel zu bewirken vermochten, das bewirkte ein mächtigerer Herr, der unwiderstehlich gebietet, nämlich der Hunger. Als in den nassen Jahren 1771 und 1772 eine Missernte erfolgte und die Hungersnot einen solchen Grad erreichte, dass die Menschen Baumrinden zu essen gezwungen waren, griff man begierig nach den Erdäpfeln wenn sie nur in den vorhergehenden Jahren in größeren Menge wären gebaut worden.

Bei strenger Winterkälte gefrieren die Erdäpfel oft, aber dadurch werden sie noch nicht unbrauchbar. Man darf sie dann nur an einem freien Orte ausbreiten und an demselben so lange liegen lassen, bis sie genug ausgetrocknet sind, und sollten sie da auch öfter gefrieren und auftauen, so schadet ihnen das gar nicht, sondern beschleunigt nur vielmehr ihr Austrocknen. Die Peruaner lassen die Erdäpfel absichtlich gefrieren, treten sie dann mit Füßen, um die Haut zu entfernen, bringen sie dann in ein in fließendem Wasser gemachtes Loch und legen Steine darauf. Nach 14 Tagen werden sie herausgenommen und bei heiterer Luft im Sonnenschein getrocknet, dann wird Mehl daraus gemacht, welches die Peruaner zu allen ihren Speisen nehmen.

Man wendet die Erdäpfel auch zum Brotbacken an. Die Hälfte Getreidemehl mit der Hälfte Erdäpfel vermischt, gibt ein schönes und gutes Brot, besonders wenn man Weizen oder Kornkleie mit Wasser gut auskocht und den daraus erhaltenen Schleim zusetzt. Man reibt nämlich grüne Erdäpfel auf einem Reibeisen, drückt sie wohl aus und teiget sie mit dem Getreidemehl ein. Hierauf reibt man sich gekochte Erdäpfel und mengt sie beim Kneten mit unter den Sauerteig. Der Backofen muss aber gut geheizt sein!

Im Frühling fangen die Erdäpfel an zu keimen und verlieren dadurch viel von ihrer Güte, man kann sie aber auf folgende Weise gut erhalten: Man wäscht im Frühlinge, ehe sie zu keimen anfangen, eine beliebige Menge von allem Staube und trocknet sie. Hierauf schüttet man sie in einen etwas heißen Backofen, macht denselben fest zu und lässt die Erdäpfel eine Stunde darin, dadurch werden sie fast völlig gar. Hierauf legt man sie an die Luft auf Stroh und nimmt nach Bedarf davon für die Küche.

Quelle: Kronika Fary. Chronik des Pfarramtes Schönfeld. 1836-1932, S. 16 ff. www.portafontium.eu