Jacob Lugner (1580-1638), Hofbesitzer in Neudorf

Mein 9x-Urgroßvater Jacob – der Urvater der Lugner-Familien in den benachbarten böhmischen Ortschaften Neudorf, Schönfeld und Obertiefenbach (heute Nová Ves, Krásno und Horní Hluboká – letzteres nicht mehr existent,) – war ein zielstrebiger Mann. Und so gab er nicht gleich auf, als die Bergstadt Schlaggenwald ihm den Wunsch abschlug, zwei brach liegende Berghöfe in Neudorf zu erwerben. Die beiden Höfe hatten sich früher im Privatbesitz von Bauern befunden, waren dann jedoch aufgegeben und nicht mehr bewirtschaftet worden und in den Besitz der Bergstadt Schlaggenwald gekommen. Sie lagen etwas außerhalb des Ortskerns. Auf ihrem Grund entstanden die späteren Hausnummern 3, 91, 93. 94, 95 und 58. (Heute existiert Neudorf nicht mehr in seiner historischen Form. Das Beitragsbild dient also nur der Veranschaulichung! Es zeigt nicht die Berghöfe!)

Der Kauf der Berghöfe

Mehrfach abgelehnt, war Jacobs Anfrage in Schlaggenwald schließlich doch erfolgreich und er kaufte die Höfe zum Preis von 1.050 Gulden. Im Alten Grundt Buch von Neudorf ist dazu notiert, dass der aus Ebmeth stammende Jakob Lueger von der kaiserlichen Bergstadt Schlaggenwald „die zwei öberen Höf zu Neudorff“ mit umliegendem Grund und Tieren und Zubehör erwirbt. Den Zuschlag erhielt er unter der Auflage, dass mit den beiden Höfen „fürderhin verfahren“ und es gehalten werden solle, wie es „von alters, als noch bauersleut darauf gewohnt, üblich und gebräuchlich gewesen“.

Wie damals allgemein üblich, beglich Jacob den Kaufpreis in Form einer Anzahlung und gleich hohen jährlichen Raten an die Stadt. Die finanzielle Last milderte er, indem er schon im Juli 1610 die Hälfte des Grundbesitzes mit Haus (den oberen Hof) an Georg Brandstetter abgab (der vermutlich wie ein anderer Vertreter dieses Namens im Nachbarort Schönfeld aus Schwaz in Südtirol stammen dürfte). So fiel es Jacob wohl nicht allzu schwer, seinen Zahlungsverpflichtungen regelmäßig nachzukommen. Allerdings findet sich im Zinsbuch ein Eintrag zu einem Zahlungsrückstand, welcher später ausgeglichen wird.

Jacob verlässt Neudorf

Bis 1629 blieb Jacob im Besitz des unteren Hofes (spätere Hausnummer Neudorf 58) . Dann schlug das Schicksal zu. Der Ort Neudorf, zum Bezirk Petschau gehörig, wurde von den durch Kaiser Ferdinand II. gestützten gegenreformatorischen Strömungen erfasst und rekatholisiert. Von allen Bewohnern wurde verlangt, die katholische Religion wieder anzunehmen. Jacob lehnte sich dagegen auf und musste deshalb den Ort verlassen. Sein Sohn Hans scheint sich nicht gegen den Übertritt gewehrt zu haben, denn er erschien am 30 Juli 1629 auf dem Amt und erklärte, er übernehme den Hof vom Vater. Dieser wolle „der religion halber lieber weichen, dann solche annehmen“.

Hans erhielt den gesamten Hof zusammen mit 3 Pferden, 1 Kuh, 3 Kalben, 3 feurigen Kälbern, 2 Ziegen, 3 Schweinen und Haus- sowie Ackergerät zum Preis von 600 Gulden. Es wurde festgelegt, dass die Ratenzahlungen an den Vater in Form jährlicher Getreidelieferungen und Geldbeträge erfolgen sollten. Jacob bedingte sich zudem Unterbringung und freie Herberge für sich und seine Frau aus „auf ihr lebtag“, so er „über kurz oder lang sich auß begnadung der obrigkeit oder durch annehmung der religion wieder zur stell komben und [sich] bei dem seinig aufhalden wolte“.

Lugner, Lu(e)ger, Lugert(h)

Jacobs Familienname wird bei seinem ersten Auftreten im Grundbuch von Neudorf mit „Luger“ oder auch „Lueger“ bezeichnet. Da angegeben ist, dass er aus Ebmeth stammt, und da die Matrikel von Ebmeth (Rovná) und Frohnau (Vranov) ab 1634 erhalten sind, konnte ich die früheste Schreibweise des Familiennamens anhand späterer Familienangehörigen überprüfen. Der in den Matrikeln aufgeführte Familienname ist „Lugner“. Auch im Urbar zur Mitte des 17. Jahrhunderts wird die Familie nach wie vor als „Lugner“-Familie bezeichnet. Erst ab 1663 weicht die Schreibweise in den Frohnauer und Ebmether Matrikeleinträgen ab und wechselt vollständig zu „Lugert“. Das gilt auch für die umliegenden Ortschaften, wie beispielsweise Lauterbach.

Doch für Jacobs Nachkommen in Neudorf, Obertiefenbach und Schönfeld wird das „Lugner“ beibehalten, auch wenn zwischenzeitlich Matrikel- und Grundbuch-Aufzeichnungen davon abweichen und sich dort ebenfalls das „Lugert“ finden lässt. Abweichungen („Luger“, „Lueger“, „Lugert(h)“) sind wohl einesteils umgangssprachlich zu verstehen und des Weiteren auch der individuell gehandhabten Rechtschreibung geschuldet.

Jacobs Geburts- und Todesdaten

Leider kann man Jacobs Geburt nicht mit Dokumenten belegen, da die Aufzeichnungen in Ebmeth erst im Jahr 1634 beginnen. Er dürfte jedoch um 1580 oder eher noch davor geboren sein. Denn vor dem Alter von 25 bis 30 Jahren wird Jacob schwerlich Grundbesitz erworben haben. Zudem liegen die Geburtsjahre seiner sechs bekannten Kinder geschätzt zwischen 1600 und 1620.

Jacobs Todesjahr allerdings lässt sich von Eintragungen im Grundbuch recht gut ableiten. Die Zahlungen, die Sohn Hans nach der Hofübernahme an den Vater zu leisten hat, enden im Jahr 1637. Es ist daher davon auszugehen, dass Jakob ungefähr 1638 gestorben ist. Es heißt außerdem im Grundbuch, dass die „Lugner-Gebrüder“ Clement und Caspar (beide in Schönfeld wohnhaft) in diesem Zeitraum 28 Gulden und 30 Kreuzer als Bargeld für ein Begräbnis erhalten haben. Hat Jakob bei seinen beiden Söhnen in Schönfeld gewohnt, die die Beerdigung ausgerichtet haben? Einen Beleg hierfür gibt es nicht, es wäre jedoch möglich. Der Ort Schönfeld, Bezirk Elbogen, wurde zeitlich später als Neudorf wieder katholisch, so wäre der Aufenthalt des Protestanten Jacob in diesem Ort noch länger möglich gewesen.

Jacobs Stammbaum

Jakobs Lebensdaten und Stammbaum findet ihr auf meiner Website zur böhmischen Familienforschung.

Quellenangaben:
1) Nova Ves (Neudorf), 1600-1779, Altes Grundt Buch, 10 ff. www.portafontium.eu.
2) Velkostatek Sokolov, 1643-1650, www.portafontium.eu
3) Vranov 18, 1634-1663, www.portafontium.eu